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Krafttier Elefant

Krafttier Elefant

Wir lernen nie aus

Die kleine Elefantenherde graste gemütlich am Ufer eines Flusses und die jungen Kälber spielten zwischen den Bananenstauden. Doch irgendwann war eines der Kälber zu müde und zu hungrig, um weiter mit den anderen umherzutollen. Und so beschloss sie, sich ein paar Bananen von den Bäumen zu holen. Mit so viel Kraft trat sie gegen den Baum aber nichts geschah. Immer wieder versuchte sie es und irgendwann wurde sie so wütend, dass sie verzweifelt mit den Fäusten gegen den Stamm trommelte.

Ein Elefant der Herde beobachtete das kleine Kalb schon eine Weile und ging schließlich auf das verzweifelte Junge zu. „Du machst das völlig falsch“, sagte der Elefant.

„Nein, mache ich gar nicht! Mama sagt immer, dass ich nur stark genug sein muss und ich gebe hier alles!“, antworte das Elefanten Kälbchen, doch der alte Elefant konnte diese Antwort nur belächeln. „Weißt du“, sprach er, „Stärke ist nicht alles. Deine Mama hat schon recht, wenn sie sagt, dass Kraft eine wichtige Voraussetzung für vieles ist, aber am Ende kommt es doch immer auf die Feinheiten und auf die Taktik an“. Mit diesen Worten gab er dem Baum exakt unterhalb eines Bananenbündels einen kleinen Schubs. Die Augen der kleinen Elefantin wurden tellergroß als sie sah, wie all die Bananen, die vorhin für sie noch so unvorstellbar weit weg waren, auf den Boden prasselten.

Während sie eine Banane vom Boden aufhob, um sie zu essen, fragte sie den Elefanten: „Aber wie hast du das gemacht? Bei dir sah es so einfach aus! Ich werde niemals so stark sein wie du.“, langsam wurde das Kälbchen sehr traurig.

„Aber, Aber, du bist noch so jung, meine Kleine. Du musst nicht sofort alles können und so stark und weise und schnell sein. Mit der Zeit wirst du reifen, genau wie diese Bananen. Sie brauchen auch einige Zeit, bis sie groß, gelb und lecker sind. Und bis dahin müssen wir uns alle gedulden“, versuchte der Elefant sie aufzumuntern.

Aber das Kleine fand diese Worte nur wenig tröstend: „Ich wäre nur schon so gerne erwachsen wie ihr alle. Das dauert noch einige Jahre und ich will nicht warten!“

Wieder musste der große Elefant schmunzeln. „Erwachsen sein ist nicht nur eine Frage der Jahre. Irgendwann wirst du genug Erfahrungen gesammelt, genug Erinnerungen verinnerlicht, genug Fragen gestellt und beantwortet haben. Und dann kannst du sagen, dass du erwachsen bist, wenn du willst.“

„Aber warum sollte ich das nicht wollen?“, fragte das Junge verdutzt, als es eine weitere Banane vom Boden aufhob.

„Nun ja, ich würde nicht sagen, dass ich erwachsen bin, nur weil ich weiß wie man Bananen vom Baum holen kann. Man lernt eben nie aus. Aber die Zeit bringt immer Klarheit, merk dir das. Und jetzt komm, bring den anderen Kindern auch ein paar Bananen“, und mit diesen Worten ging der Elefant fort. Als er am Rande der Herde ankam, ging bereits die älteste Elefantenkuh auf ihn zu. „Was habt ihr beide denn da hinten getrieben?“, fragte sie gelassen.

„Ach, wir haben uns nur unterhalten und ein paar Bananen gegessen. Sie wollte wissen, wie lange es noch dauert, bis sie so erwachsen ist wie ich“, gab der Elefant von sich und als er hörte, wie sein Gegenüber auflachen musste, konnte er sich das Lachen selbst kaum verkneifen.

„Du und erwachsen! Da krieg ich mich ja gar nicht mehr ein! Du hast ihr schon gesagt, dass du noch derselbe Quatschkopf bist wie vor ein paar Jahren, oder?“

Und da mussten sie beide lachen, während sie ihren Blick zu den Kälbern wanden.

„Weißt du noch, wie ich unbedingt schwimmen lernen wollte und du mich regelmäßig nachts aus dem Wasser ziehen musstest?“, fragte der Elefant.

„Ja“, antwortete die Elefantenkuh, „Du warst kaum älter als die Kleinen hier. Aber das ist eben das faszinierende am Krafttier Elefant. Man wird mit der Zeit immer weiser, aber man lernt eben nie aus.“

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